Der Weg ist weg…

Kurzmitteilung

Gestern eine Runde durch den Wald gedreht, zur Entspannung. Der Harvester hat getobt und überall liegt Gestrüpp auf den Wegen. Hier, auf einer meiner Lieblingsstrecken, ist der Weg nicht mehr erkennbar:

Unsere Hündin überrascht mich. Sonst weicht sie den Pfützen und Schlammlöchern aus. Eigentlich. Hier erstreckt sich das Schlammloch über die gesamte Wegbreite. Sie bleibt einen Moment stehen, schaut mich an, dann läuft sie mitten hindurch und nimmt auch im weiteren Verlauf keine Rücksicht mehr. Nach einer Stunde kommen wir beide mit Schlamm bis zu den Hüften zurück 😮

Neideck 1000

Eigentlich stand „der härteste Trail-Halbmarathon nördlich der Alpen“ erst als Highlight für 2020 auf meiner Agenda. Andi hatte ich erst vor wenigen Monaten auf den Geschmack bergiger Trails gebracht und ich selbst trainierte bis dahin hart für die ca. 750 Höhenmeter beim Frankenweg-Halbmarathon. Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich Andi kurz darauf für Neideck 1000 anmelden würde – und auch nicht, dass ich es noch in 2019 tun würde!

Noch dazu war nicht absehbar, ob ich meinem Knie die anspruchsvolle Strecke zumuten konnte. Mitte September ließ ich es abchecken, zum Glück ohne Befund. Gleich am nächsten Tag, dienstags, lief ich wieder die ersten 5-6km mit Hund und meldete mich abends hoffnungsvoll für… die Warteliste an. Mittwochs lief ich bereits 10km und 260 Höhenmeter mit unserer Hündin, die mit ihren 1 3/4 Jahren inzwischen deutlich mehr Bewegung braucht. Das Knie meldete sich nicht mehr, puh!

Dann ging alles Schlag auf Schlag: Der Veranstalter bestätigte meinen Eintrag in der Warteliste und bot an, einen Startplatz zu garantieren, wenn man einen Helfer stellt. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, erklärte sich Florian dazu bereit, als er in der Firma von dem Event erfuhr. Mit ihm war ich 2018 in einem Bergwerk laufen.
Ich überraschte Andi mit den Neuigkeiten und wir verabredeten uns für Samstag zum Training. Eigentlich wollte ich Andi und seinen Kumpel Basti nur ein Stück durch meine „Homezone“ begleiten, lief die 4,5km zum Treffpunkt auf dem Hetzleser Berg und führte die beiden über die schönsten Trails…

Hetzles, Lindelberg, Dachstadt, Letten und am Judenfriedhof wieder auf den Hetzles. Das GPS zeigte 18,4km bei mehr als 500m Anstieg, uff! Im Schnitt trainierte ich ab jetzt alle 2 Tage mit vielen Steigungen, an den trainingsfreien Tagen ging ich die Strecken zügig mit der Hündin spazieren. Zwei Tage vor dem Rennen löste sich mein Fivefingers-Modell „KSO Evo“ auf… Tachostand: Über 600km nur gemessene Trail- und Strandläufe, andere Aktivitäten wie Spazieren, Wandern, Fahrrad fahren etc. nicht eingerechnet. Naja, besser als im Rennen! Die Schuhe haben mir gute Dienste erwiesen.

Die ersten Tage im Oktober waren sehr verregnet und der Herbst war nicht zu verleugnen. Für Samstag, den 12.10. wurde jedoch Sonnenschein bei 22°C gemeldet. Die Wahl der passenden Kleidung… tja… besser mal alles mitnehmen, sogar meine Brooks als Ersatzschuhe für alle Fälle. Und dann war er auch schon da, der Tag X – ob das kurze, aber harte Training mit „nur“ 700m Anstiegen ausreichen würde?! Für mehr reichte die Zeit nicht.

Auf der Hinfahrt: Goldener Sonnenaufgang, leichter Nebel, recht kühl. Ab 7:30 Uhr werden Startnummern an die rund 250 Trailrunner und etwa 40 Powerhiker ausgegeben. Der ausgeschilderte Parkplatz ist schon um 8 rappelvoll, weil sich parallel eine ganze Horde von US-Soldaten zu einem Orientierungslauf zusammenfindet. Aber es ist ja noch früh.

Ich freue mich sehr, ein paar bekannte Läufer, darunter Familie Cipura vom Frankenweg zu treffen und den Veranstalter Robert Stein vorweg persönlich kennenzulernen. Eine besorgte Dame kann nicht fassen, dass ich die Strecke mit Fivefingers laufen werde. Andere fragen nur interessiert, wie sich das anfühlt oder ob mir Steine weh tun. Und ein Paar in gelben „Frankenblitz“-Shirts kommt auf mich zu, Kerstin und Thomas, ob sie denn ein Foto von den Schuhen machen dürfen. Na klar, gerne! Bei einer Zwischenstation treffe ich Kerstin später wieder und bleibe einen Moment für ein weiteres Foto stehen, ebenso wie bei einem Streckenposten auf den ersten paar Kilometern.

Anfahrt, Startnummernausgabe, alles ganz entspannt. Auch im Startbereich keine Hektik. Erst recht nicht auf der Treppe wenige Hundert Meter nach dem Start. Hier verschwindet Basti im Rückstau, Andi holt mich irgendwann auf den nächsten drei Kilometern ein. Ich ermuntere ihn am Engelhardsberg, Gas zu geben. Kurz bevor es hier auf die asphaltierte Straße geht, entsteht noch ein Super-Selfie und auf einer kleinen Anhöhe lauert ein Fotograf, für den ich ganz kurz verweile.

Bei „Kiosk Nr. 9“ (Link s. u.) am Engelhardsberg duftet es verführerisch, der Betreiber heizt schon den Grill für seine Bio-Burger an. Hmmm! Ab hier kenne ich wenigstens einen Bruchteil der Strecke. Ein steiler Schotterweg schlängelt sich in Richtung B470, mündet in einem nicht minder steilen Waldstück, auf dem mir plötzlich Läufer entgegenkommen. Streckenposten beobachten, ob jemand abkürzt. Obwohl ich hier mit den Fivefingers eine 4-Minuten-Pace renne, kann ich nicht länger mit Andi mithalten. Jetzt rechts die Holzstufen hinab und durch das Felstor von oben in die Riesenburg. Tempo raus, die Stufen haben es in sich. Unebene Treppen und Fotografieren harmonieren beim besten Willen nicht, die Fotos verwackeln und ich verirre mich auf eine Zwischenebene…

Unten angekommen, geht es linke Hand etwa 100 Meter die Straße Richtung Doos entlang, dann links den schmalen „Wasserweg“ steil wieder bergauf – oh nein! Vor wenigen Minuten kamen mir hier abgekämpfte Läufer entgegen, nun kämpfe ich und folge der Beschilderung. Rechts kommt ein Abzweig, der an einem Aussichtspunkt vorbeiführt. Durch die verwinkelte Strecke verliere ich Andi vollends aus den Augen. Der schlammige Hang stellt bereits eine Herausforderung dar, wenn man hier spazieren geht. Viele schlingern und verteilen sich, alle verfallen in Trippelschritte. Oben feuern mehrere Rentner das bunte Durcheinander an. Die Erinnerung an die Streckenführung verschwimmt ab hier und ich verfolge längere Zeit einfach nur meine bunt gekleideten Vorgänger. Nun tauchen vermehrt die US-Soldaten in Tarnkleidung auf. Einige sehen so erschöpft aus, dass man ihnen aus Mitleid einen Superfood-Riegel anbieten möchte. Andere scheinen den Orientierungslauf gut wegzustecken, applaudieren, jubeln den Neideck 1000-Läufern zu. Trotz der sehr zerklüfteten, steinigen Wege komme ich mit anderen Läufern ins Gespräch. Plötzlich knickt die Laufstrecke nach rechts in eine Höhle, die Oswaldhöhle….

Die LED-Funzel an der Decke warnt vor einer sehr niedrigen Stelle, aber ich entscheide mich, zusätzlich die LED des Smartphones einzuschalten. Wieder ein Streckenabschnitt, den ich von einer Höhlenwanderung kenne. Noch ein steiles Stück durch einen Wald, dann auf Asphalt zur nächsten Versorgungsstelle durchziehen. Oben jubeln Helfer und Zuschauer. Ich sehe Kerstin, bleibe aber diesmal nicht stehen, weil ich befürchte, meinen Vordermann aus den Augen zu verlieren. Mein Gesprächspartner aus der Höhle ist noch neben mir und berichtet von seiner Motivation. Wir unterhalten uns, wie stolz Kinder sind, wenn sie ihre Papas auf den letzten paar hundert Metern ins Ziel begleiten dürfen. Kurz darauf folgt eine Passage, bei der ich nonstop den Untergrund auf „gute“ Trittstellen abscanne und mich voll konzentrieren muss. Von nun an lerne ich eine ganze Reihe von Läufern kennen, die jeweils im Abstand von 100-300m unterwegs sind. Es geht um Alter, Erkrankungen, Motivation, andere Lauf-Events und vieles mehr. Laut Ansagen meiner Lauf-App hangele ich mich etwa von KM 11-16 von einem zum anderen. Mit Überquerung der B470 auf Höhe des Freibads an der Burgruine Neideck bin ich plötzlich alleine.

Der steile Berg zur Burgruine Neideck bringt mich sonst kaum aus der Puste, aber diesmal habe ich schon ca. 18km und 800 Höhenmeter hinter mir. Kurze Gehpausen auf den Stufen, ich blicke nach hinten und übersehe eine Wurzel, autsch. In einiger Entfernung entdecke ich bloß einen Läufer, der mich von nun an bis ins Ziel verfolgen wird. Der angenehm schattige Waldweg geht in einen Feldweg über, der in der prallen Sonne liegt. Hinter einer Senke – d. h. ich muss erstmal hindurch – entdecke ich die letzte Versorgungsstelle und die aufsteigende Hitze zwingt mich erneut zu Gehpausen. Nachteil der Softflaschen im Trinkrucksack: Man kann sich kein Wasser über den Kopf schütten. Wie bei der Station zuvor jubeln mir die Helfer und Zuschauer zu. In dem Getöse bitte ich die Streckenhelferin, mir 1-2 Becher Wasser über den Kopf zu schütten. Die Crowd rastet vollends aus! 😀

Jetzt noch etwa 2 oder 3 Kilometer bis zum Ziel… ….. ……….. laaange Kilometer. Asphalt runter, Pflasterwege rauf, Wiese, dann wieder Waldwege und Schatten. Kurz vor dem Waldrand schießt mir ein brennender Schmerz in die Innenseite der Wade; ein Wespenstich, na prima! Im Wald geht es einen letzten längeren Anstieg hinauf und auch hier ist mir der Verfolger wieder dicht auf den Fersen. Die brüchigen Holzstufen abwärts spielen mir in die Karten, denn ich renne sie mit minimalem Kraftaufwand hinunter und gewinne mehr Abstand. Jetzt nur noch unter der B470 her, zurück nach Muggendorf und über die Zielbrücke. Noch ein Schlenker mehr und ich würde innerlich einknicken. Nochmal alles geben! Ich kann meinen Verfolger sehr nah hinter mir auf dem Kies hören, bevor mich der Jubel der Zuschauer vor ihm ins Ziel trägt. Andy empfängt mich und ist bereits etwas abgekühlt. Florian steht wenige Meter entfernt hinter den Tischen mit Obst, Getränken, etc., füllt gerade Kuchen auf und reicht mir etwas davon. Er gratuliert mir zu der tollen Leistung und der guten Zeit.

Die ZEIT! Ich kann diesen Moment gar nicht recht in Worte fassen. Adrenalin, Erschöpfung, Erfüllung, Stolz, Freudentaumel und gleichzeitig so etwas wie „Leere“. Erstmal sammeln und den Moment genießen. Und dann die Zeit checken: 2:34:32 für 22km mit 1007m Anstieg und Fotopausen – Platz 86 gesamt! Damit bin ich echt zufrieden. Dass ich überhaupt mitlaufen konnte und am Ende die Finisher-Medaille aus Holz in den Händen halte. Aber nächstes Mal werde ich mich anstrengen, noch schneller sein. 😉

Ich bedanke mich noch einmal ausdrücklich bei Flo für seine spontane Einsatzbereitschaft, bei Andi und Basti für die Motivation und das Training, bei Andi und Kerstin für ihre Fotos sowie bei allen Beteiligten rund um das Event. Es war schön!

Seite des Veranstalters: https://www.fs-trailissimo.com/races/neideck-1000/ oder auf Facebook https://www.facebook.com/Neideck1000/

Blog vom Team Frankenblitz: https://www.frankenblitz.de/laufberichte/2019/neideck-1000/

Kiosk Nr. 9 / Biohof Familie Beyer auf Facebook: https://www.facebook.com/Raststation/

Trails im Allgäu: Zirmgrat

Mitte Juni wollten wir als Familienurlaub einmal das Allgäu antesten und waren in Benken untergebracht. Von hier aus gehen verschiedene Wanderrouten ab, zum nahegelegenen Weißensee und steil bergauf zur Burgruine Falkenstein. In diesem Beitrag geht es um die Route…

Falkenstein – Zirmgrat – Salober – Alatsee

Diese etwas anspruchsvollere Tour mit etwa 700 Höhenmetern auf 11km Wegstrecke habe ich auf OutdoorActive entdeckt und alleine mit unserer Hündin von Benken ausgehend absolviert, während der Rest der Familie einen Ausflug unternahm, bei dem der Hund nicht mitgedurft hätte. So verbrachten wir einen aufregenden Trail-Tag zu zweit.

Von Benken zur Burgruine gibt es verschiedene Aufstiegsvarianten, rechts bequem (und dennoch ab dem Waldrand steil) über Schotter und Waldwege, links die Abenteuervariante über Kuhweiden, die ich von einem „Spaziergang“ bereits zur Hälfte kannte. Ich entschied mich für die Kraxelpartie über die Weiden. Die neugierigen Kühe kamen heran, was unserer Hündin nicht so geheuer war. Also zügig über das nächste Gatter…

Bald schon erreichten wir die Ruine mit einem kleinen Abstecher durch die Mariengrotte und genossen bei einer kurzen Rast den Blick in die Ferne.

Panorama von der Burgruine Falkenstein

Von der Ruine und dem anliegenden Hotel ging es einige hundert Meter die asphaltierte Straße und wahlweise auf zugewucherten Trampelpfaden bergab, die ich in der MapsForge-Karte entdeckte. Der Einstieg zum Zirmgrat lag in einer Kurve, der Weg darunter war wegen Forstschäden gesperrt. Glück gehabt!

Panorama in Richtung Benken, Einstieg zum Zirmgrat
Panorama in Richtung Benken, Einstieg zum Zirmgrat

Ab jetzt würden wir mehr Geocaches als Menschen zu Gesicht bekommen… genauer gesagt vier Geocaches und nur ein Wandererpärchen. Sie Deutsche, er Mexikaner. Die beiden hatten weder ein klares Ziel noch irgendeine zeitliche Beschränkung bei ihrer Reise über zahlreiche Landesgrenzen hinweg… Irgendwie bemerkenswert. Minimales Gepäck, aber eine Flöte, ein Didgeridoo und weitere Instrumente dabei. Was man hier draußen eben braucht! 😉

Der Weg über den Zirmgrat auf den Salober hinauf und den Abstieg zur Saloberalm schlängelt sich durch ein riesiges Waldgebiet, mit vielen Aussichtsmöglichkeiten in Richtung Österreich und zeitweise direkt am Abgrund entlang. Ein richtig toller, sehr abwechslungsreicher Singletrail! Immer wieder passiert man Grenzsteine, die allesamt durchnummeriert und mit Jahreszahlen und Länderkennungen sind.

Beim Abstieg vom Salober durchstreiften wir einige gerodete Gebiete. Der Schädlingsbefall grassiert hier ebenso wie in den heimischen Wäldern, erschreckend und bizarr zugleich. Ein letztes steiles Stück hinab, über aufgeschüttete Holzstufen und in Stein geschlagene Tritte hinab, stieß ich auf einen mir bereits bekannten Abschnitt. Ein kurzer, mittelmäßig anspruchsvoller Rundweg mit wahnsinnig schöner Aussicht, der an der Saloberalm startet und endet. Die letzten heftigen Steigungen lauerten hier. Meine Hündin kannte den Weg und durfte voranlaufen, da sie sich schon auf der gesamten Strecke sehr gut an mir orientierte.

Die Saloberalm liegt direkt hinter der Grenze auf österreichischer Seite. Ich kann hier definitiv den Kaiserschmarrn empfehlen, den ich auf einer vorigen Tour probiert hatte. Leider verpasste ich die Öffnungszeiten um wenige Minuten.

Abstieg vom Salober zum Alat- und Weißensee, Blick auf den Weißensee

Von der Saloberalm führt eine breite Schotterstraße zum Alatsee herunter. Auch hier kann ein Teil der Strecke über Trampelpfade umgangen werden. Meine neuen Vibram Fivefingers V-Train waren auch auf den stark verwurzelten Stücken eine gute Wahl. Sogar auf der wegbrechenden, morschen Stufe boten sie mir guten „Halt“ oder besser gesagt die nötige Fleibilität, das Malheur auszubalancieren. Und fast wäre ich noch auf den kleinen schwarzen Kumpel draufgelatscht… Glück², würde ich sagen.

Feuersalamander ohne Feuer? Ein Lurch? Hm…

Am Alatsee kühlten wir uns gemeinsam ab. Es kostete etwas Überredung, aber der treue Begleithund wagte sich zum ersten Mal richtig ins Wasser und beobachte neugierig die kleinen Fische, die sich um ihre Pfoten tummelten.

Abkühlung im Alatsee, danach Endspurt

Vom Alatsee geht es über eine asphaltierte Straße oder über einen Waldweg zum Weißensee herunter. Wer das hintere Ufer noch nicht kennt, sollte unbedingt die Route über die Straße bis zum Parkplatz am Weißensee wählen und dann dem schmalen Weg entlang des Sees folgen. Vom Felsentor habe ich leider kein Foto zur Hand.

Weißensee, Blickrichtung nach Füssen. Rechts in dem Waldgebiet versteckt sich der Alatsee.

Über den ganzen Tag verteilt gab es Leckerchen, Käse, andere Snacks und natürlich ausreichend Wasser. Langsam meldete sich dennoch der Hunger. Den schönen und erlebnisreichen Tag ließen wir auf dem Ferienhof am Lagerfeuer mit Schwenkgrill ausklingen. Und ein letztes Mal Glück gehabt: Die Gewitter, die für den frühen Abend gemeldet waren, rollten erst lange nach Einbruch der Dunkelheit an.

Details und GPX-Datei: https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/allgaeu/ueber-den-zirmgrat-zur-burgruine-falkenstein/19049335/

Trails im Allgäu: Tegelberg

Mitte Juni wollten wir als Familienurlaub einmal das Allgäu antesten und waren in Benken untergebracht. Von hier aus gehen verschiedene Wanderrouten ab, zum nahegelegenen Weißensee und steil bergauf zur Burgruine Falkenstein. In diesem Beitrag geht es um die Route…

Tegelberg – Pöllathschlucht – Neuschwanstein

Diese Strecke hat meine Frau recherchiert, wofür ich sehr dankbar bin. Mit der Gondel fuhren wir morgens früh auf den Tegelberg, der noch im Nebel lag. Einige Gleitschirmflieger warteten auf passende Startbedingungen. Langsam verzogen sich die Wolken, die zuerst die Sicht auf Schneefelder unterhalb freigaben, dann einen traumhaften Blick über die vielen Seen ringsum.

Bei schönstem Sonnenschein ging es in den nächsten Stunden rund einen Höhenkilometer über eine beeindruckende, technisch anspruchsvolle 10km-Route hinab. Die Strecke könnte kaum abwechslungsreicher sein: über einen breiten Kiesweg, linke Hand an der Bergstation vorbei, gelangt man zu einem Geröllfeld…

Blick vom Tegelberg auf Forggen- und Bannwaldsee

Es folgen wurzelige, steinige Passagen durch den Wald, teils wie durch einen ausgewaschenen, trocken gefallenen Bachlauf. Die Kids freuten sich über jede noch so kleine Schneeansammlung. Einige Wanderer und Kletterer kamen uns auf diesem Abschnitt entgegen. Dafür, dass die Gondeln so voll waren, erwies sich die Strecke als erstaunlich wenig frequentiert.

Da sich 12m Schleppleine trotz ständigem Aufwickeln gerne an Wurzeln und Vorsprüngen verfangen, entschieden wir uns dazu, unsere Hündin, wo es nur ging, abzuleinen. Sie ließ sich sehr gut dirigieren und lief die Strecke bestimmt zwei- bis dreifach.

Das letzte Drittel der Tour hat es in sich: Hier wird es so richtig alpin – steinig, unwegsam, in Serpentinen lange und steil bergab. Eingeleitet wird dieser Abschnitt durch Metallsprossen, die in den Fels geschlagen wurden und einige Meter bergab führen. Für unseren Labrador-Bergziege-Mix war das kein Problem; sie suchte sich eine Alternative nebendran und wartete am Absatz, bis der Letzte (der mit der Kamera um den Hals) die Sprossen passiert hatte.

Zerklüftete Felsen im letzten Drittel

In der Streckenbeschreibung hieß es, örtlich bestehe Absturzgefahr. Das dürfte insbesondere für die vielen Trampelpfade und Vorsprünge am Abgrund gelten, die aber gleichzeitig einen hervorragenden Blick auf Schloss Neuschwanstein und das Umland bieten.

Auf der Marienbrücke und vor dem Schloss Neuschwanstein war es brechend voll, dass wir die Hotspots schnell passierten. Zuvor wurde die Pöllatschlucht wieder für den Besucherverkehr freigegeben, wo deutlich weniger Menschen unterwegs waren.

Mit dem Verlassen der Schlucht wurden die Wege wieder „normal“. Auf dem Rückweg zum Parkplatz erstreckte sich ein letztes Mal der Tegelberg von Seilbahn bis Schloss Neuschwanstein vor uns.

Panoramafoto mit Screenshot der OutdoorActive-Karte + Höhenprofil

Details und GPX-Datei: https://www.outdooractive.com/mobile/de/route/bergtour/allgaeu/schwangau-tegelberg-marienbrueckenweg/2808912/

Nachtrag: Im Oktober 2019 wurde die Gegenrichtung als technischer Salomon Workshop unter https://www.salomon.com/de-de/experiences angeboten.

21. Kristalllauf, 700m tief im Bergwerk

Für dieses Highlight in einem aktiven Salzbergwerk in Sondershausen wollte ich mich die letzten zwei, drei Jahre bereits anmelden, es kam aber immer etwas dazwischen. Endlich klappte es mit der Anmeldung und ich konnte noch Florian als Mitläufer für den 27. Oktober 2018 gewinnen.

Wir reisen am Vortag an, kehren abends spät in einer sehr, sehr guten Schnitzelbude ein und kommen noch mit zwei Einheimischen ins Gespräch, die mit dem Laufsport herzlich wenig zu tun haben – eher mit dem Genuss üppiger Gerichte. Mit vollem Bauch und leicht schlechtem Gewissen hierüber geht es ins Hotel, das Florian herausgesucht hat. 500 Sportler und 150 Besucher/Zuschauer müssen irgendwo unterkommen und die Hotelsuche zog sich vor einigen Wochen etwas in die Länge…
Ein einfaches Gästehaus, dafür moderne Zimmer und eine schöne Natursteindusche. Außen komplett umgeben von einer Straße, in und um das Haus feiernde Arbeiter, Studenten, was-auch-immer. Unsere Zimmer sind ganz oben unterm Dach, dennoch sind Musik und Gespräche nicht zu überhören. Weit nach Mitternacht flaut der Partylärm von nebenan endlich ab. Einige der Gesichter würden wir am nächsten Tag im Bergwerk wiedersehen…

Ein Hoch auf die Ausschilderung des Bergwerks, wir finden es auf Anhieb und vor Ort gibt es freundliche Parkeinweiser. Super Orga! Ein paar Meter rüber zum Verwaltungsgebäude des Brügmanschachts stiefeln, Startunterlagen und Shirt holen, Schriftkram erledigen und… ganz wichtig: Helm auf! Im Treppenhaus zum Förderturm steht bereits eine Warteschlange. Mit einem der zwei Körbe tauchen wir kurz darauf in die geheimnisvolle Unterwelt ein. Gerüche, Geräusche und sonstige Eindrücke: unbeschreiblich.

Ankunft 700m unter Tage, angenehm temperiert…
Ein bisschen Sightseeing; der freundliche Schachtmitarbeiter erspart uns die Selfie-Verrenkungen.

Das Orga-Team hat reihenweise Garderoben aufgestellt, es gibt Lachsbrötchen, Nudeln, Getränke und vieles mehr. An Wandtafeln und in Schaukästen erfährt man allerhand Interessantes über Werkzeuge, Technik, Historie. An den Herren- und Damentoiletten stehen trotz vieler Kabinen Warteschlangen und von oben kommen im Paarminutentakt weitere Sportler an. Erstmal raus aus der langen Hose, auf einem kurzen Streckenteil warmlaufen und sich an das Klima gewöhnen…

Es folgen eine Ansprache des Orga-Teams und eine kurze musikalische Einlage der Bergwerks-Blaskapelle. Tolle Akustik! Und dann: Startaufstellung. Flo ist ein paar Jahre jünger und wird gleich auf dem Rundkurs davonsausen wie beim B2Run.

Der Start ist wie üblich wuselig, aber ich komme gut weg. Direkt nach der Start-Ziel-Geraden knickt die Strecke nach links in einen kleineren Stollengang, dann geht es erst leicht abwärts, anschließend steil und sehr schmal in einer langen Rechtskurve bergauf, etwa zwei Stockwerke in dieser bizarren Unterwelt. Flo kommt mir auf der anderen Seite des Flatterbands entgegen, ich feuere ihn kurz an. Wie das hallt! Oben ein Wendepunkt mit Streckenposten. Deutlich breiter geht es bergab, leicht rutschig, aber angenehm zu treten. Zeit für einen kurzen Sprint. Die Luft frisch, klar, salzig und angenehm warm. Mit dem Start hatte ich Glück, nun herrscht Rückstau am Anstieg. Hoffentlich ist der vorüber, wenn ich in ein paar Minuten die zweite Runde laufe…

Auf etwa 80% der Strecke ist die Luft neutral. Einige kurze Abschnitte würde ich geruchlich wie folgt unterteilen: 1. Salzbrise, 2. Dieselgeruch, 3. Kloake. Die Salzbrise ist besonders in zwei Kurven markant. Der weniger schöne Geruch dauert erfreulicherweise immer nur kurz an. Es gibt zahlreiche Seitengänge und Abzweige, die stockfinster und abgesperrt sind. Verlaufen möchte ich mich hier nicht. Kurz vor der Zielgeraden jubelt mir immer wieder eine Gruppe zu, das motiviert mich bei dem kleinen Anstieg. Immer wieder aus der Kurve sprinten, über die Start-Ziel-Gerade, links ab, bergauf, usw. – auf einer LED-Anzeige beobachte ich zuversichtlich meine Zwischenzeiten. Sobald ich meine Runden gelaufen bin, muss ich mich rechts halten und durch einen schmalen Zielkorridor rennen. Die Zeit irritiert mich dermaßen, dass ich befürchte, mich verzählt zu haben. Flo wartet schon im Ziel auf mich. Erst bei der Siegerehrung wird sich herausstellen, dass es keine vollen 10km waren – puh!

Urkunde und ein Salzkristall aus dem Brügman-Schacht

Seite des Veranstalters: https://www.sc-impuls.de/?portfolio=kristallauf