21. Kristalllauf, 700m tief im Bergwerk

Für dieses Highlight in einem aktiven Salzbergwerk in Sondershausen wollte ich mich die letzten zwei, drei Jahre bereits anmelden, es kam aber immer etwas dazwischen. Endlich klappte es mit der Anmeldung und ich konnte noch Florian als Mitläufer für den 27. Oktober 2018 gewinnen.

Wir reisen am Vortag an, kehren abends spät in einer sehr, sehr guten Schnitzelbude ein und kommen noch mit zwei Einheimischen ins Gespräch, die mit dem Laufsport herzlich wenig zu tun haben – eher mit dem Genuss üppiger Gerichte. Mit vollem Bauch und leicht schlechtem Gewissen hierüber geht es ins Hotel, das Florian herausgesucht hat. 500 Sportler und 150 Besucher/Zuschauer müssen irgendwo unterkommen und die Hotelsuche zog sich vor einigen Wochen etwas in die Länge…
Ein einfaches Gästehaus, dafür moderne Zimmer und eine schöne Natursteindusche. Außen komplett umgeben von einer Straße, in und um das Haus feiernde Arbeiter, Studenten, was-auch-immer. Unsere Zimmer sind ganz oben unterm Dach, dennoch sind Musik und Gespräche nicht zu überhören. Weit nach Mitternacht flaut der Partylärm von nebenan endlich ab. Einige der Gesichter würden wir am nächsten Tag im Bergwerk wiedersehen…

Ein Hoch auf die Ausschilderung des Bergwerks, wir finden es auf Anhieb und vor Ort gibt es freundliche Parkeinweiser. Super Orga! Ein paar Meter rüber zum Verwaltungsgebäude des Brügmanschachts stiefeln, Startunterlagen und Shirt holen, Schriftkram erledigen und… ganz wichtig: Helm auf! Im Treppenhaus zum Förderturm steht bereits eine Warteschlange. Mit einem der zwei Körbe tauchen wir kurz darauf in die geheimnisvolle Unterwelt ein. Gerüche, Geräusche und sonstige Eindrücke: unbeschreiblich.

Ankunft 700m unter Tage, angenehm temperiert…
Ein bisschen Sightseeing; der freundliche Schachtmitarbeiter erspart uns die Selfie-Verrenkungen.

Das Orga-Team hat reihenweise Garderoben aufgestellt, es gibt Lachsbrötchen, Nudeln, Getränke und vieles mehr. An Wandtafeln und in Schaukästen erfährt man allerhand Interessantes über Werkzeuge, Technik, Historie. An den Herren- und Damentoiletten stehen trotz vieler Kabinen Warteschlangen und von oben kommen im Paarminutentakt weitere Sportler an. Erstmal raus aus der langen Hose, auf einem kurzen Streckenteil warmlaufen und sich an das Klima gewöhnen…

Es folgen eine Ansprache des Orga-Teams und eine kurze musikalische Einlage der Bergwerks-Blaskapelle. Tolle Akustik! Und dann: Startaufstellung. Flo ist ein paar Jahre jünger und wird gleich auf dem Rundkurs davonsausen wie beim B2Run.

Der Start ist wie üblich wuselig, aber ich komme gut weg. Direkt nach der Start-Ziel-Geraden knickt die Strecke nach links in einen kleineren Stollengang, dann geht es erst leicht abwärts, anschließend steil und sehr schmal in einer langen Rechtskurve bergauf, etwa zwei Stockwerke in dieser bizarren Unterwelt. Flo kommt mir auf der anderen Seite des Flatterbands entgegen, ich feuere ihn kurz an. Wie das hallt! Oben ein Wendepunkt mit Streckenposten. Deutlich breiter geht es bergab, leicht rutschig, aber angenehm zu treten. Zeit für einen kurzen Sprint. Die Luft frisch, klar, salzig und angenehm warm. Mit dem Start hatte ich Glück, nun herrscht Rückstau am Anstieg. Hoffentlich ist der vorüber, wenn ich in ein paar Minuten die zweite Runde laufe…

Auf etwa 80% der Strecke ist die Luft neutral. Einige kurze Abschnitte würde ich geruchlich wie folgt unterteilen: 1. Salzbrise, 2. Dieselgeruch, 3. Kloake. Die Salzbrise ist besonders in zwei Kurven markant. Der weniger schöne Geruch dauert erfreulicherweise immer nur kurz an. Es gibt zahlreiche Seitengänge und Abzweige, die stockfinster und abgesperrt sind. Verlaufen möchte ich mich hier nicht. Kurz vor der Zielgeraden jubelt mir immer wieder eine Gruppe zu, das motiviert mich bei dem kleinen Anstieg. Immer wieder aus der Kurve sprinten, über die Start-Ziel-Gerade, links ab, bergauf, usw. – auf einer LED-Anzeige beobachte ich zuversichtlich meine Zwischenzeiten. Sobald ich meine Runden gelaufen bin, muss ich mich rechts halten und durch einen schmalen Zielkorridor rennen. Die Zeit irritiert mich dermaßen, dass ich befürchte, mich verzählt zu haben. Flo wartet schon im Ziel auf mich. Erst bei der Siegerehrung wird sich herausstellen, dass es keine vollen 10km waren – puh!

Urkunde und ein Salzkristall aus dem Brügman-Schacht

Seite des Veranstalters: https://www.sc-impuls.de/?portfolio=kristallauf