Zehenschuhe

Im letzten Beitrag hatte ich bereits über die Knieprobleme berichtet und auch, dass die Bewegungsabläufe während der Laufbandanalyse barfuß viel natürlicher abliefen als mit stark gedämpften Schuhen. Je höher die Ferse ist, desto höher die Gefahr, instabil im Fuß zu werden und nicht richtig abzurollen. Das konnte man in den Zeitlupenaufnahmen bestens sehen und vergleichen. Ich werde mal sehen, ob ich einen oder mehrere Screenshots nachtrage…

Vorweg noch eine Anekdote: Meinen ersten Barfußlauf hatte ich 2010 am Sandstrand von Fanø (DK), der so, wie er sich ergab, keinesfalls geplant war. Ich wollte eigentlich nur vom Strand zurück zum Ferienhaus laufen und etwas holen, barfuß und oberkörperfrei in der Mittagssonne. Das erste Stück joggte ich durch das flache Wasser, hielt nach dem Strandaufgang in Rindby Ausschau und übersah die breite Auffahrt wegen der flirrenden Luftmassen. Erst als ich die Bunkerruinen kurz vor Sønderho, der Südspitze der dänischen Insel entdeckte, erkannte ich meinen Fehler, kehrte um und lief über die harten Fahrspuren nach Rindby zurück. 10 statt 2½km, immerhin in 55 Minuten und mit einem showreifen Sprint auf den letzten 400 Metern glühend heißem Asphalt! 😮 Abends hatte ich 4 blaue Flecken unter jedem Fuß, in perfekter Symmetrie und für einige Tage recht unangenehm. Ergo:

Wer Barfußlaufen ausprobiert, und das gilt auch für Zehenschuhe, sollte sich langsam eingewöhnen.

Den Strandaufgang leicht verfehlt… so um schlappe 8km vertan 🙂


Passt, sitzt, wackelt?!

Es gibt leider nur wenige Geschäfte mit Zehenschuhen im Sortiment, aber ich bevorzuge nach wie vor den Schuhkauf mit Anprobe vor Ort. Bringt frisch gewaschene Füße und ein bisschen Geduld mit, falls es beim 1. Mail nicht gleich mit dem Zehen sortieren klappt! Erstmal klappt man die Ferse runter und schiebt seinen Fuß mit einer leichten Kurve an der Innenseite entlang, bis die Zehen ein Stück weit in ihre „Fächer“ reichen. Die Zehen jetzt noch ein bisschen sortieren und weiter vorschieben, bis sie richtig drin stecken, Ferse einparken und ggf. Schnallen oder Schnüre festziehen – fertig. Die Schuhe sollten rund herum eng anliegen, aber nicht wie Flipflops drücken oder reiben. Ich trage FiveFingers in Gr. 45, zum Vergleich brauche ich in Adidas 47 2/3.
Zu Beginn trägt man die Schuhe am besten zu Hause, anfangs ein paar Minuten oder mal eine halbe Stunde. Ich habe meine ersten Zehenschuhe erst nach ein paar Wochen beim Einkaufen getragen oder bei kurzen Freizeitaktivitäten. Circa 2 Monate nach dem Kauf bin ich erstmals 2km damit gejoggt. An das flache Auftreten muss man sich zunächst gewöhnen. Und wenn man erstmal auf den Geschmack gekommen ist, bleibt es nicht bei einem Paar:

FiveFingers-Modelle Komodo Sport (gelb), Lontra LS (grün) und KMD Sport LS (schwarz)


Meine FiveFingers im Detail

Komodo Sport, Modell 2013

Mein erstes Paar FiveFingers kommt in Summe auf über 500km reine Trainingsdistanz auf Wald-, Feldwegen, Kies, Asphalt, Sandstränden, im Schnee und im Schlamm. Die Sohle zeigt nur minimalen Abrieb und verhärtet sich nach 3-4 Jahren spürbar, wird also glatter und rutschiger. Der Stoff an der großen Zehe ist teilweise eingerissen, was mich aber nicht weiter stört.

500km vs. 100km Laufleistung

500km vs. 100km Laufleistung

Bestems klimatisiert! 😉 Darf nach 4 Jahren schon mal passieren.

Auf dem Höhenglückssteig…


KMD Sport LS

Fast baugleich zu den gelben Komodo Sport. Schon über 1ookm getragen, u. a. beim Firmenlauf B2Run Nürnberg mit 4:38 Min./km im Gedränge.


Lontra LS

Mit dem wintertauglichen Modell hatte ich etwas Pech. Durch die etwas dickere Sohle und das Neopren ist der Schuh starrer als die anderen 2 Modelle. Dadurch lief ich mir Blasen zwischen den Zehen und kaufte mir zusätzlich Zehensocken (Injinji No Show). Soweit eigentlich alles ok. Was mich aber maßlos ärgert: Schon nach kurzer Zeit riss mir ein Riemen ab. Ich kontaktierte den offiziellen Vibram-Shop, wo ich den Lontra für stolze 139€ bestellt hatte und erhielt einen Rückruf der Münchener Firma:

Ein Materialfehler ist ausgeschlossen. Der Hersteller verfügt über 70 Jahre Erfahrung. Bitte lassen Sie das selbst beim Schuster reparieren, es ist kein Garantiefall.

Hallo??? Ich als Verbraucher habe (zu diesem Zeitpunkt) 36 Jahre Erfahrung mit meinen Füßen, da ist auch eine Fehlbedienung ausgeschlossen! Entsetzt über die plumpe Aussage schreibe ich samt Foto an die Facebook-Pinnwand der internationalen Vibram-Seite und erhalte kurz darauf die Reaktion, jemand würde sich asap bei mir melden. 12 Monate passiert… nichts, trotz mehrfacher Reminder. Inzwischen werden alle weiteren Versuche von den Redakteuren ignoriert und gelöscht. Was tun?! Ein Fall für die Verbraucherschutzzentrale und – wie ich dann aus dem Bekanntenkreis erfuhr – offenbar kein Einzelfall. Bei einer Bekannten löste sich die Sohle. Und? Kein Garantiefall! :-((

12 Monate nichts am Schaden verändert, die Hoffnung stirbt zuletzt!


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