Ruckediguh, Blut ist im Schuh!

Als ich 2007/2008 mit dem Laufen begann, hätte ich mich nicht gerade in Aschenputtels goldene Schläppchen gezwängt, aber ernsthafte Gedanken über das richtige Schuhwerk oder etwa Funktionskleidung machte ich mir noch nicht. Da wurden die erstbesten Nikes hergenommen, die man im Regal stehen hatte und los! Rund 2 Jahre später kamen modische Ansprüche hinzu, also ab zum nahegelegenen Outlet mit den 3 Streifen. Neon sieht nicht nur geil aus, sondern bietet auch noch Sicherheit…

Mit der Zeit hatte ich 3 Paare Adidas Supernova Sequence als Freizeit- und Laufschuhe, eines davon sogar als wasserdichte Goretex-Variante für den Winter. Nebenbei erwähnt hatte ich in keinem anderen Modell 47 2/3 😮 Die Schuhe sind breit, bequem, aber schwer. Die Dämpfung, insbesondere der gesonderte Fersenabschnitt und die große Sprengung („Keilform“) haben so ihre Tücken, aber dies sollte ich erst Monate später und umso schmerzhafter herausfinden. Jedenfalls knackte ich mit den Supernovas erstmals die 10km-Hürde.

Bis 2013 zierten dann noch ein paar Adidas AdiZero Tempo (angeblich für Distanzen wie Halbmarathon konzipiert, wohlgefühlt habe ich mich darin aber nicht) und die farbenfrohen Adidas AdiZero F-50 aus dem Titelbild dieses Beitrags meinen Schuhschrank. Die Modelle sind schmaler gebaut als die Supernovas, etwas leichter, jedoch ebenso keilförmig und sie kamen mir im direkten Vergleich etwas kippelig vor.

Im Juni 2013 trainierte ich während eines Nordseeurlaubs für meinen 1. Halbmarathon. Bei der 16km-Trainingseinheit muss Sand in die Schuhe geraten sein, Socken und Schuhe waren voller Blut. Während des Trainings hatte ich davon nichts gemerkt. Viel schlimmer aber waren die Knieschmerzen, die am Folgetag auftraten und die mich die nächsten Wochen und Monate begleiten würden… und für ca. 6 Wochen auch brennende Schienbeine. Diagnose des Sportmediziners nach dem Urlaub: Quetschungen des Innen- und Außenmeniskus sowie Schienbeinkantensyndrom durch falsche Lauftechnik und ungeeignetes Schuhwerk – na herzlichen Glückwunsch!

Allerhöchste Zeit, sich endlich in professionelle Hände zu begeben, und zwar beim Spezialisten und nicht in irgendeinem Schuhgeschäft. Wenige Wochen später stand ich auf dem Laufband von Roland Blumensaat in Nürnberg und konnte mir in Slow Motion aus mehreren Blickwinkeln anschauen, was ich alles falsch mache. Ich kann nur jedem empfehlen, die rund 150€ und ca. 4 Stunden Zeit zu investieren! Nach einer ausführlichen Anamnese, ersten Fußsohlenscans und Messungen auf einer Druckplatte wurden dann noch etliche Markierungen am Körper für die Videoanalyse platziert. Für mich sehr ungewohnt, müssen auf dem Laufband mehrere Einheiten in den üblichen Laufschuhen und barfuß, im Schritt, Dauerlauf und Sprint absolviert werden. 3 Spezialkameras filmen die Bewegungsabläufe, eine Software berechnet währenddessen z. B. auftretende Kräfte sowie Stöße in Knien und der Hüfte. Die Aufzeichnungen werden nach den Sequenzen gemeinsam betrachtet, analysiert und besprochen – erschreckend!
Bei schnellerem Tempo stieß ich mich wie ein Springbock 25cm hoch ab, bei jedem Aufsetzen gab es einen heftigen Schlag in Knien und Hüfte! Noch dazu platschten die Füße durch die Keilform jedesmal haltlos auf den Boden, die Schienbeinmuskulatur konnte den Fuß beim Aufsetzen nicht halten. Ohne Schuhe dagegen sahen die Bewegungen deutlich gesünder aus. Roland Blumensaat arbeitete noch einige Übungen gegen bestimmte muskuläre Defizite aus, besprach Schuhempfehlungen und ich bekam eine umfangreiche Dokumentation samt Slomo-Videos mit nach Hause.

Entsprechend der Empfehlungen kaufte ich meine ersten neutralen, d. h. sehr flachen Laufschuhe: Brooks Pure Flow II. Im ersten Moment fühlte sich das wie permanentes Bergauflaufen an, aber ansonsten echt in Ordnung. Die Sohle ist nur gering profiliert und durchgehend, also ohne Einteilung in Zonen. Die Fußsohlen werden somit gleichmäßig belastet, der Fuß kann gut abrollen. Steine können sich nicht wie zuvor bei den Adidas-Modellen in der Sohle festsetzen. Mit den Brooks lief ich im Sommer 2014 beim Neunkirchener Brandbachlauf (10km), dem Nürnberger B2Run (6,4km) und einer Etappe des Lauferlebnis Fränkische Schweiz (12,7km) jeweils im 1. Drittel mit.

In den Laufzeitschriften wurde nach meiner Verletzungspause, die schließlich von Juni bis November 2013 dauerte, immer öfter über neutrale Laufschuhe berichtet. Noch ein Thema zog in dieser Zeit meine Aufmerksamkeit auf sich: Zehenschuhe. Aber denen widme ich einen eigenen Beitrag…

Bis die Tage!
Christian

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